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Casino Luxembourg

Ausstellungen

Didier Bay, Sediments (1969-1997), vue de l'exposition. Photo : IMedia.

Didier Bay, Sediments (1969-1997), vue de l'exposition. Photo : IMedia.

6.3 — 14.5.1997

Didier Bay – Sédiments (1969–1997)

künstler: Didier Bay
kurator(en): Enrico Lunghi

Das Casino Luxembourg, veranstaltet vom 6. März bis 16. Mai 1997 eine Ausstellung mit dem Titel Sediments (1969-1997). Es handelt sich hierbei um die erste Retrospektive des Schaffenswerks von Didier Bay (*1944), einem hauptsächlich in Paris lebenden, französischen Künstler.

Am Rande der dominierenden Kunstströmungen, ist Didier Bays Arbeit seit nunmehr zwanzig Jahren auf das Text- und Bildmedium fundiert. Durch seine Schriften, Fotomontagen und Installationen vermittelt Didier Bay einen tiefgreifenden und sehr eigenen Blick auf die visuellen Vorurteile, die unsere Beziehung zu den Bildern bestimmen.

Sein Anfangswerk behandelt Themen aus seinem Alltagsleben. Erzählungen und „Tagebücher" hält der Künstler mit der Schreibmaschine auf  DIN A4 Blättern fest, die er anschließend an Wände heftet oder in thematisch geordneten Alben aufbewahrt. Sie zeugen weniger von einer Auflehnung gegen die traditionellen Ausdrucksformen der Kunst, als von dem Versuch, Werke, die der Künstler als „Dokumente" ansieht, in eine knappe, nüchterne sowie unkomplizierte Form zu fassen. Auf Grund dieser „Dokumente" soll eine Überlegung geführt werden, die sich nicht spezifisch auf die Kunstwelt bezieht sondern auf unsere Kultur insgesamt. Seit 1975 greift der Künstler auf eine schriftliche Ausdrucksform zurück, „die weder orthographische, noch syntaktische Konventionen berücksichtigt" (Jean-Baptiste Joly). Zu dieser Zeit führt er ebenfalls die Farbfotografie in sein Werk ein (Didier Bay 1875 - Didier Bay 1975, 1975).

Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Weiblichkeit zu einem wichtigen Thema, das sich wie ein Leitfaden durch Didier Bays Werk zieht. Das Thema ist Grundlage einer immer wiederkehrenden Infragestellung, deren Parameter Lektüre/Schreiben, Zeit, Gegenüberstellung, Verschiebung, Landschaft, Fiktion, Exotik und Trivialität sind. Didier Bay aktualisiert die Weiblichkeit in Anlehnung an Bilder klassischer und moderner Meister (Muses & Musées, 1985-1993; La Vierge à l'Enfant, 1993; Au bout de la nuit, 1993), und präsentiert sie nach den, im kollektiven Bewusstsein festgefahrenen Klischees (1789-1989 La Joconde, 1989; Palympceste, 1991; Odalisque de billard 1992; Visages de femmes, 1990-1993), oder stylisiert sie in der stereotypen Anonymität amerikanischer Motels (Wet Dreams, 1994-95-96). Die Frau erscheint hier in all ihrer subversiven Kraft, abseits der ihr zugedachten Rolle als Objekt der Verführung oder als Objekt schlechthin, in die sie die Werbung oder das gesellschaftliche Rollenverständnis hineindrängt. Im Werk Didier Bays wird die weibliche Nacktheit nicht der gewöhnlichen normativen Versüßlichung unterworfen. Einige der Themen seines Werkes finden ihre Darstellung seit 1978 in mehr als 20 Videofilmen, die Didier Bay in seiner üblichen Rolle als unabhängiger Einzelgänger realisiert und produziert hat.

In ihrer fast schon zerstörerischen Schönheit enthüllen seine Inszenierungen und seine scharf formulierten Texte die visuelle Zensur, die unsere Fähigkeit der Vision und des Verständnisses der Bilder und der Gesellschaft, die sie hervorbringt, nur all zu oft einschläfert. Man kann nur hoffen, dass Didier Bays Werke helfen können, ein Individuum im Alarmzustand zu sein", und „nichts als gesichert anzusehen, kein Automat, kein Passant, kein Museumswärter des alltäglichen Lebens zu sein, sozial bis zur Inexistenz integriert". (Didier Bay)

Die vom Casino Luxembourg veranstaltete Retrospektive, zeigt zum ersten Mal eine Gesamtübersicht dieses so marginalen und unklassifizierbaren" Künstlers (Art Press). Ein integral vom Künstler konzipiertes Buch wird zu dieser Gelegenheit erscheinen. Ebenfalls geplant ist die Herausgabe einer Serie von Postkarten.

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Bilder

Didier Bay, Sediments (1969-1997), vue de l'exposition. Photo : IMedia.

Didier Bay, Sediments (1969-1997), vue de l'exposition. Photo : IMedia.