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Casino Luxembourg

Ausstellungen

Luca Vitone, Corteggiamento, 2001/2004. Installations in situ, chaises, anciens instruments de musiques, guirlandes lumineuses. Galerie Emi Fontana, Milan. © Christian Mosar.

Luca Vitone, Eppur si muove (Nevertheless in motion), 2002-2006. Installations in situ. © Christian Mosar.

16.9 — 19.11.2006

Luca Vitone - At home everywhere

künstler: Luca Vitone
kurator(en): Enrico Lunghi, Martin Sturm, Giacinto Di Pietrantonio

Dass ein Künstler proklamiert, er sei „überall zu Hause", ist in einer Zeit, in der nationalistische Diskurse und xenophobe Polarisierungen immer mehr den Blick auf gegenwärtige Realitäten trüben, geradezu ermutigend. So kann das  viel-schichtige Werk von Luca Vitone als Versuch gelesen werden, Begriffe wie ‚Heimat', ‚kulturelle Identität' und Territorium' neu zu definieren, neu zu vermessen (durchaus im wörtlichen Sinn zu verstehen) und damit auch gegen einseitige, eindimensionale und stereotype Vorstellungen anzuarbeiten. Astrid Wege, eine der Autorinnen des Katalogs, weist darauf hin, dass  „die Reflexion des Ortes, die Frage, wie ein Ort dargestellt, wahrgenommen, erfahren und erinnert wird" - und zwar in geografischer, kultureller und sozialer Hinsicht - eine ganz wichtige Frage für Luca Vitone ist und ein Schlüssel zur Interpretation seines Werkes. Beispielhaft dafür steht die Werkgruppe Carte atopiche (1988-1992), in der z.B. Stadtpläne durch Retuschierung der Ortsnamen quasi ‚unlesbar' - im gewohnten Sinn - gemacht werden.

Inhaltlich richtet sich Vitones Interesse bei der ‚Bestimmung' eines Ortes vor allem auf jene Menschengruppen oder menschliche Aktivitäten, die von der dominierenden Gesellschaftsstruktur unter anthropologischen Gesichtspunkten meist als ‚peripher' oder ‚überholt' angesehen werden: Wie etwa die (noch) nomadischen Roma, die fast verschwundene regionale Volksmusik mit ihrem eigentümlichen Instrumentarium, oder die anarchistischen Bewegungen, die sich heutzutage ins Nichts aufgelöst zu haben scheinen. Allen gemeinsam ist das Fehlen eines festen, geografisch definierten und mit nationalen Symbolen ausgestatteten Territoriums. Dort wo Vitone auf einen konkreten Ort eingeht - wie z.B. die Stadt Genua in Stundaiu - zeigt er ihn als sozialen Raum von einer Seite, die wir nicht kennen und die im konventionellen Sinn auch nicht ‚repräsentativ' ist. Diese Form des ‚Mapping', das keine nationalstaatliche Perspektive hat und neue, ungewohnte ‚Landkarten' entwirft, spiegelt sich bei Vitone in der Erfindung einer Flagge, die aus der Kombination der schwarzen Fahne der Anarchisten - die sich einer festen ideologischen Lager-Zuschreibung entzieht - und die der Roma - in der das Rad als Zeichen für Nomadismus fungiert - entstanden ist (Nulla da dire solo da essere, 2004). Die nationalistische Verortung der Fahne als Superzeichen territorialer Abgegrenztheit wird damit konterkariert und aufgehoben.

In der Ausstellung des Casino Luxembourg Sous les ponts, le long de la rivière... (2001), die in den Tälern der groß-herzoglichen Hauptstadt veranstaltet wurde, inszenierte Luca Vitone als neue Arbeit eine archäologische Ausgrabung: Aus der Fundstelle erklangen jene Musikstücke, die Franz Liszt 1886 bei seinem letzten Publikumsauftritt im ehemaligen Bürgerkasino - dem heutigen Casino Luxembourg - einige Wochen vor seinem Tod spielte.

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In Zusammenarbeit mit O.K Centrum für Gegenwartskunst

Bilder

Luca Vitone, Corteggiamento, 2001/2004. Installations in situ, chaises, anciens instruments de musiques, guirlandes lumineuses. Galerie Emi Fontana, Milan. © Christian Mosar.

Luca Vitone, Eppur si muove (Nevertheless in motion), 2002-2006. Installations in situ. © Christian Mosar.

Luca Vitone, Pittoreschi Viaggi privati, 1995-1998. 144 photographies. Galerie Emi Fontana, Milan. © Christian Mosar.

Luca Vitone, Arrivo a Colonia, 1998. Installation in situ. Franco Soffiantino Arte Contemporanea, Torino. © Christian Mosar.