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Casino Luxembourg

Ausstellungen

Simone Decker, Lenka, Denise, ... 2004. Installation in situ. © Roman Mensing / artdoc.de.

9.10.2004 — 2.1.2005

Simone Decker – Point of view

künstler: Simone Decker
kurator(en): Enrico Lunghi

Das Casino Luxembourg zeigt vom 9. Oktober 2004 bis zum 2. Januar 2005 eine Ausstellung der Arbeiten von Simone Decker, die zwischen 1999 und 2004 entstanden sind. Es handelt sich hierbei um die erste große Einzelausstellung der luxemburgischen Künstlerin, deren Arbeit in den letzten Jahren auf zahlreichen internationalen Veranstaltungen zu sehen war, darunter auf der 48. Biennale von Venedig im Jahre 1999.

Nach ihrem Projekt „To be expected" im Casino Luxembourg im Jahre 1998, bei dem sie hauptsächlich Ausstellungsräume in „Lebensgröße" in Beschlag nahm, wurden ihre räumlichen Eingriffe auf der einen Seite noch weitläufiger, aber gleichzeitig auch wesentlich reduzierter: Ihre Motive erscheinen vor dem Hintergrund von Plätzen, Landschaften, ja sogar vor ganzen Städten und wirken überdimensional groß, wobei das Foto-Objektiv die Größenverhältnisse künstlich verändert. 

Die Serie Pavillons pour Saint-Nazaire (1999) ist symptomatisch für diesen Wandel. Besetzte das Pavillon de chasse (1998) tatsächlich noch den Eingangsbereich des Casino Luxembourg - und zwar während der gesamten Dauer der Ausstellung, wobei es als wahrhaftige Zuschauerfalle fungierte - so folgen die Pavillons pour Saint-Nazaire den Regeln der linearen Perspektive, die besagen, dass ein Objekt, das im Vordergrund steht, immer größer ist als die Objekte im Hintergrund. Simone Decker aber ist vor allem der Schaffensprozess wichtig, angefangen mit der Wahl des Ortes über die Auswahl der Materialien bis hin zum zeitlichen Rahmen, den ihre Arbeit in Anspruch nimmt: Ist die Kunst der Fotografie für die Entstehung des Werkes unerlässlich, so dient die abschließende Fotografie gleichsam seiner Dokumentation.

Die Chewing and Folding Projects (1999), die sie bei der 48. Biennale in Venedig vorgestellt hat, fassen all diese Überlegungen in einem Eingriff zusammen, der sowohl den gesamten Raum der Lagunenstadt einnimmt als auch des luxemburgischem Pavillons selbst, der dadurch gleichzeitig als Subjekt und Objekt fungiert. In dieser Fotoserie belagern Skulpturen aus Kaugummi die Gassen und Plätze von Venedig: Hier handelt es sich nicht um Fiktion, sondern tatsächlich um eine riesige Ausstellung unter freiem Himmel, der allerdings erst das Foto-Objektiv visuelle Wirklichkeit verleiht. Im Gegensatz dazu stellen die Prototypes pour un espace infini (1999) einen weiteren Versuch der Künstlerin dar, sich den Raum zu unterwerfen und ihn zu Konfektionsware zu machen.

Die Motive und Materialien, die Simone Decker verwendet, schwingen ständig zwischen Verführung und Abscheu und können auch Lebewesen miteinbeziehen, wie in Jérémy (2000), oder zur Erzählung werden wie in Le va-et-vient du Mont Saint-Watou (2001) oder Recently in Arnhem (2001), das beide Elemente miteinander verbindet. Parallel dazu setzt Simone Decker auch Licht und Stoff ein, um den Raum und seine Wahrnehmung aus dem Gleichgewicht zu bringen, so z.B. in so weiß, weißer geht's nicht (2001) oder curtain wall (2002), das anlässlich des Printemps de Septembre in Toulouse entstanden ist.

Die Ausstellung wird ebenfalls eine Reihe neuer Arbeiten präsentieren: Denise (so heißt es am 9. Oktober, denn dieses Objekt trägt je nach Tag den Namen des / der jeweiligen Schutzheiligen), ein räumliches, langgliedriges, flexibles Element aus Stoff, das das Aquarium des Casino Luxembourg ausfüllen wird (zum ersten Mal vorgestellt im Rahmen des Projekts Re:Location Shake in der Jan Koniarek Gallery in Trnava (SK) im Juni 2004); Ghosts, die Geister öffentlicher Skulpturen der Stadt Luxemburg, die eine Fassade des Gebäudes und seine Kellerräume zum Leben erwecken, a couple of full moons, ein Video, das mit Hilfe einer speziell entwickelten optischen Vorrichtung präsentiert wird und NY-space, eine noch ausgefeiltere und intimere Re-Aktualisierung des unendlichen Raumes. 

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Partner

In Zusammenarbeit mit Crédac, Irvy-sur-Seine

Bilder

Simone Decker, Lenka, Denise, ... 2004. Installation in situ. © Roman Mensing / artdoc.de.

Simone Decker, Pied-à-terre 1 : 2 . 50, 2003 / 2004. Installation in situ. © Roman Mensing / artdoc.de.