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Conférence

22.1.2008 Les Mardis de l’Art

Les Mardis de l'Art - Terroristische Kunst und religiöser Terrorismus

Vortrag mit Sven Rücker

Zeitgenössische Kunst entdeckt den Terrorismus als bevorzugtes Objekt, weil sie selber strukturell terroristisch ist. Wie der politische Terrorismus den Staatsapparat von innen aufsprengen will, will die Kunst ihre eigene Formgebung von innen aufsprengen und wandelt sich von einem Repräsentationssystem der politisch-wirtschaftlichen Macht zu einer autonomen Gegenmacht, die an der Störung offizieller Wahrnehmungsmechanismen arbeitet. Diese innere Verwandtschaft endet jedoch mit dem religiös motivierten Terrorismus. Während sich die Kunst historisch zunächst von der Religion emanzipiert, indem sie ihre Formen übernimmt - das Museum erbt von der Kirche die rezeptive Andacht und das Berührungsverbot -, um schließlich die eigene (Kunst-)Kirche in Akten der Schändung zu entsakralisieren, kehrt der gegenwärtige Terrorismus zum heißen, apokalyptischen Kern der Religion zurück. Gegen diese Resakralisierung der Gewalt sollte die Kunst ihre historisch erworbenen Entsakralisierungspraktiken setzen.

Nach dem Studium der Philosophie und Germanistik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der FU-Berlin ist Sven Rücker (1975, Bad Segeberg) seit 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Prof. Dr. Gunter Gebauer, Institut für Hermeneutik. Seit 2006 promoviert er an der FU-Berlin in der Philosophie. Er leistete inhaltliche und organisatorische Mitarbeit u.a. an den Konferenzen Diktatur und Rausch und Praktiken symbolischer Gewalt. Seit 2002 ist er Autor und Mitherausgeber der berliner Zeitschrift Volucer.

Im Rahmen der Theaterproduktion Die Terroristen (frei nach Friedrich Schillers Drama Die Räuber).
In Zusammenarbeit mit Independent Little Lies. 




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