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Casino Luxembourg

31.1.2020 um 18:30

Sitting for decades – Symposium Day 1

künstler: Olivier Pestiaux (BE), Guy Frisch (LU), Linnea Semmerling (DE), Ever Present Orchestra (CH), Teresa Cos (IT, UK)

18.30 – 19.30 Uhr Progression
Performance des bildenden Künstlers Olivier Pestiaux (BE) und des Musikers Guy Frisch (United Instruments of Lucilin, LU) 

Die Erstaufführung von Alvin Luciers I am sitting in a room fand 1970 im Guggenheim Museum in New York in Form eines Lautsprecherkonzerts satt. Begleitend und synchron zur Musik projizierte die Videokünstlerin Mary Lucier die einzelnen Polaroid-Fotos ihrer Polaroid Image Series. Diese stellt eine visuelle Analogie zu Luciers Tonbandstück dar: Ein Polaroid-Foto eines Wohnzimmers wurde mit der gleichen Kamera abfotografiert, das daraus resultierende Foto erneut abfotografiert usw.
 
Progression nimmt Bezug auf sowohl den akustischen als auch auf den visuellen Output-to-Input-Prozess von Mary und Alvin Luciers Arbeiten. Anders jedoch als bei den Luciers, wo beide Kunstwerke unabhängig voneinander entstanden sind und im Rahmen der Erstaufführung parallel zueinander vorgeführt wurden, stellt Progression das Experiment dar, die visuelle und akustische Ebenen seriell zu verkoppeln und voneinander abhängig zu machen. Dazu sind der Künstler Olivier Pestiaux und der Musiker Guy Frisch eingeladen, jeden Tag einen Übersetzungsprozess zu vollziehen. Während Pestiaux eine grafische Darstellung von Frischs Musik zeichnet, spielt Frisch eine musikalische Darstellung von Pestiaux Zeichnung.

19.30 – 21.00 Uhr Re-re-re-recording: The Lucier method in contemporary art
Konferenz mit Linnea Semmerling (DE)

Linnea Semmerling, geboren 1989 in Hannover (DE), ist Kuratorin, Forscherin und Autorin und lebt in Brüssel (B). Aktuell arbeitet sie an der Fertigstellung ihres Promotionsprojekts Listening on Display: Exhibiting Sounding Artworks 1960s-now an der Universität Maastricht in den Niederlanden. Semmerling hat einen Master of Arts für Kunst der Universität Amsterdam (NL) und war kuratorische Assistentin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe (DE), wo sie u. a. Ausstellungen von Lynn Hershman Leeson und Ryoji Ikeda organisierte. Ihr besonderes kuratorisches und wissenschaftliches Interesse gilt sozial engagierten künstlerischen Praktiken und den Beziehungen zwischen Technologien, Institutionen und unseren Sinnen

21.30 – 22.30 Uhr Ever Present Orchestra (CH)
Gespräch

Das Ever Present Orchestra widmet sich der Darbietung des außergewöhnlichen Werks von Alvin Lucier. Mit seiner ungewöhnlichen Instrumentierung aus vier E-Gitarren, drei Saxofonen, vier Violinen und Klavier möchte das Orchester die schlagmusterorientierte Instrumentalmusik Luciers einem größeren Publikum zugänglich machen. Neben den klassischen MusikerInnen des Ensembles sind es vor allem Gäste wie die renommierten Lucier-Interpreten Stephen OMalley und Oren Ambarchi, die es ermöglichen, ein breiteres Publikum anzusprechen als die konventionelle Szene für zeitgenössische Musik. 

Gegründet wurde das Orchester von Bernhard Rietbrock anlässlich eines Festivals zu Ehren des 85. Geburtstags von Alvin Lucier an der Züricher Hochschule der Künste. Benannt ist es nach Luciers Komposition Ever Present (2002). Die ungewöhnliche Instrumentierung ist das Resultat der Adaption von Luciers Stück Hanover (2015) für E-Gitarren. Die Initiative erfolgte mit freundlicher Unterstützung durch Alvin Lucier, der auch an der Namensgebung des Ever Present Orchestra beteiligt war und kürzlich ein neues Stück mit dem Namen „Semicircle(2017) für das Ensemble komponiert hat. 

22.30 Uhr The archive of loops: Open recording session 
Performance von Teresa Cos (IT, UK) 

The archive of loops ist ein wachsendes Archiv von Klangimprovisationen, die die Künstlerin regelmäßig in ihrem Studio aufführt und aufzeichnet. Mit Looper- und Effektpedalen erzeugt sie Klangschichten aus einer Vielzahl von Quellen, darunter Gesang, Gitarre, Schlagzeug und gefundene Instrumente. Sie spielt mit den Begriffen von Ordnung, Unordnung und kollektiver Gedächtnisbildung. Jede Sitzung wird unter Einbeziehung von Raum- und Störgeräuschen aufgezeichnet und unbearbeitet archiviert. Das Archiv ist das Ausgangsmaterial für Kompositionen, die zusammen mit den Filmen und Installationen der Künstlerin spielen und in jährlichen Veröffentlichungen kristallisieren. Zu diesem Anlass wird Teresa Cos eine offene Aufnahmesitzung des Archivs durchführen, die Live-Sampling und Manipulation der digitalen Live-Übertragung der internationalen BBC-Radiosender umfasst.

Teresa Cos verwendet Improvisations- und Wiederholungstechniken, um audiovisuelle Werke zu schaffen, die die aktiven und passiven Formen der Wiederholung auf der Grundlage menschlicher emotionaler und sozialer Prozesse untersuchen. Ihre Arbeit bietet ein vielschichtiges Nachlesen der Geschichte durch ein verkörpertes Erleben kultureller und politischer Landschaften, das die Spannung zwischen den räumlichen Geburtsbedingungen und den Formen des vertriebenen Nomadenwerdens widerspiegelt. Ihre Arbeit ist oft von einem Gefühl der Tragikomödie durchdrungen und hinterfragt letztendlich Vorstellungen von Nähe und Distanz, Zeit (ir) reversibilität und Gedächtnisakkumulation, wie sie sich aus der Überschneidung mehrerer konvergierender Zeitlinien ergeben. Präsentationen ihrer Filmarbeiten, Installationen und Live-Performances umfassen: ARGOS Center for Art and Media, WIELS-Zentrum für zeitgenössische Kunst, KANAL - Centre Pompidou, MAC-Metropolitan Arts Center Belfast, Drodesera / Live Works Festival, bb15, Fondazione Baruchello, the14th Internationale Architekturbiennale Venedig, Q-O2 und Les Ateliers Claus.
 

Filmsammlung und -verleih: ARGOS Centre for Art and Media 

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