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Casino Luxembourg

Ausstellungen

26.9.2009 — 10.1.2010

sk-interfaces – Exploding borders in art, technology and society

künstler: Art Orienté objet, Maurice Benayoun, Zane Berzina, Critical Art Ensemble, Wim Delvoye, Olivier Goulet, Eduardo Kac, Antal Lakner, Yann Marussich, Kira O’Reilly, Zbigniew Oksiuta, ORLAN, Philippe Rahm, Julia Reodica, Stelarc, Jun Takita, The Office of Experiments, The Tissue Culture and Art Project, Sissel Tolaas, Paul Vanouse
kurator(en): Jens Hauser

Haut ist unsere natürliche „Schnittstelle" zur Welt - nach und nach aber übernehmen technologische Erweiterungen ihre Rolle, „Interfaces" befreien oder schaffen neue Zwänge. In der transdisziplinären Ausstellung sk-interfaces reflektieren zwanzig internationale Künstler, wie heutige Techno-Wissenschaften unseren Weltbezug verändern: Telepräsenz, Digitaltechnik, spekulative Architekturen, Bioprothesen, Gewebezucht oder Transgenese - Künstler machen sie sich nicht nur als Themen zu eigen, sondern konkret als Methoden und Medien. Sie testen die Durchlässigkeit der Grenzen zwischen Disziplinen, Kunst und Wissenschaft. Ihre Interfaces verbinden uns mit anderen Arten, stellen Satelliten-Körper zur Debatte, destabilisieren unser Selbstverständnis von Menschsein heute, und schaffen Evolutions-Szenarien unseres technologischen Anpassungsdrucks und seiner sozio-politischen Begleiterscheinungen.

Als natürlicher Erfinder des Künstlichen kompensiert Homo Sapiens seine Fehlstellen durch Technik. Im Sinne einer Natürlichkeit der so geschaffenen Medien argumentierte der Theoretiker Marshall McLuhan einst, diese seien per se als Körpererweiterungen zu verstehen - einer die ganze Welt umspannenden elektronischen Haut nicht unähnlich, bei der Innen und Außen nicht mehr klar trennbar sind. Doch sei gleichzeitig stets der hohe Preis einer „Selbstamputation" für diese prothetischen Erweiterungen zu zahlen, da sie jeweils andere Sinne und Bewusstseinszustände betäubten und verkümmern ließen. Heute, im Licht der sogenannten Life Sciences, sind Medien und technologische Interfaces nicht mehr nur telekommunikativ, digital oder als Mensch-Maschinen-Interfaces zu denken, werden doch im Zeitalter der Biofaktizität zunehmend selbst das augenscheinlich natürlich Wachsende technisch induziert, und biologische Artefakte produziert.

Angesichts der damit ausgelösten Utopien und Dystopien verwundert es nicht, dass Künstler Material, Funktion und Metaphern von Haut als ursprüngliche, semi-permeable und aktive Membran aufgreifen. Dem herrschenden Utilitarismus setzen sie ästhetisch, poetisch und provokativ Zweck-Entfremdung entgegen. Mal ringen sie dem Technischen einen holistischen Impuls ab, mal eine ökologische Illusion, in der sich der Mensch zu seiner Verantwortlichkeit bekennt, statt sich in seiner vermeintlichen Sonderstellung abzukapseln. So untersucht sk-interfaces vor allem das „-": den Zwischenraum ontologischer Schwebezustände heute.

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Partner

In Zusammenarbeit mit FACT (Foundation for Art and Creative Thechnology), Liverpool FACT.

Und: CRP Santé, CRP Gabriel Lippmann, laboratory 'Cytosquelette et plasticité cellulaire' / University of Luxembourg, UK Centre for Tissue Engineering / University of Liverpool, SymbioticA / University of Western Australia und the Verbeke Foundation Kernzeke.

Mit der Unterstützung von: Fonds National de la Recherche Luxembourg, Office for contemporary art Norway, Fondation suisse pour la culture prohelvetia.

Bilder

Jun Takita, Light, only light, 2004-2009. Installation in situ. © Axel Heise.

Stelarc, Ear on Arm, 1997-2009. Installation in situ. Scott Livesey Galleries, Melbourne. © Axel Heise 

Stelarc, Stretched Skin, 2009. Photographie. Scott Livesey Galleries, Melbourne. © Axel Heise.

Zane Berzina, Touch Me, 2005-2009. Installation in situ. © Axel Heise.