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Casino Luxembourg

9.1 — 22.4.2012 Künstlerresidenz

Latsempoar

künstler: Daniel Jacoby

Im Rahmen des Künstlerresidenz-Programms ist der peruanische Künstler Daniel Jacoby von Januar bis März 2012 zu Gast im Casino Luxembourg. Ausgangspunkt für sein Projekt war die Erstellung einer Golden Record des Großherzogtums. Derlei Datenträger enthalten - nach dem Vorbild der beiden von der NASA produzierten „Voyager Golden Records" - repräsentative Informationen über das Leben auf der Erde für etwaige außerirdische Lebensformen. Ausgehend von diesem rein symbolischen Konzept zur Darstellung eines Ortes - schließlich besteht nur eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass diese Datenplatten entdeckt werden -, wollte Daniel Jacoby Luxemburg neu erfinden, eine Fiktion erstehen lassen, an deren Konzeption einheimische Kreative teilhaben sollten.

In der ersten Projektphase arbeitete Daniel Jacoby mit fünf jungen Kreativen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen: der Fotografin Sarah Capesius, dem 3D-Designer Serge Ecker, dem Schriftsteller Alexandre Hornbeck, dem Grafiker Mik Muhlen und dem Komponisten Gilles Noesen. Dieses Team sollte gemeinsam eine fiktionale Geschichte über das Land erarbeiten, wobei sich die jeweiligen Aufgaben aus den Fachgebieten und den entsprechenden Fähigkeiten der Künstler ergaben. Dies war für die Teammitglieder eine echte Herausforderung: Als klassische „Einzelkämpfer" mussten sie sich den Regeln kollektiven Arbeitens beugen und auf einen Ideenaustausch einlassen, um einen symbiotischen Schaffensprozess zu ermöglichen. Daniel Jacoby seinerseits tauschte seine Rolle des „schöpferischen" Künstlers gegen die des Koordinators und Impulsgebers. Das „Aquarium" wandelte sich in dieser Phase zum Planungsbüro, in dem die Fiktionen Form annahmen und erprobt wurden.

Mit dem Abschied der Teammitglieder endete diese Phase, der kreative think tank wurde aufgelöst. Die physischen Spuren, die bei der symbolischen Schließung des Büros im „Aquarium" zurückblieben - Notizen, Diagramme, musikalische Hörproben, Bildfragmente, skulpturale Objekte -, sind fassbare Zeugnisse dieser Suche nach dem fiktionalen Luxemburg oder Latsempoar.

Sichtung und Deutung des zusammengetragenen Materials obliegt Daniel Jacoby. Indem er ein Bezugssystem zwischen den Elementen herstellt - schließlich kann die Konstruktion der Fiktion letztlich nur im Rückgriff auf und in einer gegebenen Realität erfolgen -, lässt Daniel Jacoby die Geschichte in einem persönlichen Buch neu erstehen.

Residenz: 09.01.2012 - 04.03.2012
Ausstellung: 03.03.2012 - 22.04.2012
danieljacoby.com

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